wurzelfrau
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Spirituelle Basisdemokratie

Anhand von Martins Artikel, der eigentlich ein ganz anderes Thema behandelt, habe ich mir noch mal einige Gedanken zu meiner vorhandenen Abneigung gegen spirituelle Gruppen gemacht. Martin schreibt:

Ein häufiges Problem beim Menschen, die sich intensiv mit rechtsextremen Denken auseinandersetzen, ist es ja, dass wir (ich schließe mich ausdrücklich ein) irgendwann beinahe zwangsläufig ein tiefes Misstrauen gegen viele Arten des Wir-Gefühls bekommen. Etwa gegen Fähnchenschwenken zur Fußball-WM. Das ist so, weil diese Art “Wir-Gefühl” etwas mit nationaler, ethnischer oder historischer Identität zu tun hat. Wir haben Angst, uns selbst zu beschmutzen, wenn wir solche Dinge wie nationale oder ethnische oder historische Identität auch nur mit der Kohlenzange anfassen, und wir haben den Hang, im Zweifel im Wir-Gefühl etwas Gefährliches zu sehen.

Das geht mir ganz ähnlich und zwar am deutlichsten bei spirituellen Gruppen. Als ich angefangen habe, mich mit der Naturspiritualität auseinanderzusetzen, führte mich mein Weg vor gut 10 Jahren in eine solche Gruppe. Die Vorteile lagen klar auf der Hand: Ich war neu in der Richtung, vor mir tat sich ein unerschöpfliches Feld von Möglichkeiten auf, zusammen lernen fand ich toll, Austausch ebenso und die Leute wirkten charismatisch. Die Sache war also beschlossen und lief auch gut an. Ich setzte mich ein, gestaltete aktiv mit, übernahm Verantwortung, arbeitete die Themen durch, tauschte mich aus, brachte meine Meinung ein und- rannte gnadenlos gegen die Wand.

Der Punkt war nämlich, dass das Mitarbeiten natürlich willkommen und gewünscht war, die Fäden aus der Hand geben, sich als (gleichwertiges) Teil eines Ganzen sehen, demnach (nur) einer unter vielen sein, aber eine ganz andere Sache. Wozu hat man denn hier eine Hohepriesterin?! Und da sind wir schon an zwei entscheidenden Punkten, die nach wie vor Unsitte sind. Zum einen sind das die Titel. Für mich ganz persönlich sind die Zeiten der Priester vorbei. Vor allem die jener, die gerne den Titel, aber nicht die Verantwortung haben möchten. Klar kann es sein, dass jemand auf einem Gebiet sehr bewandert ist, ob das aber für mich persönlich tauglich ist, ist zumindest in spiritueller Hinsicht sehr subjektiv gelagert und hat auch immer mit der Persönlichkeit des Menschen zu tun, der die besondere Fähigkeit oder Kenntnis hat. Grade in Heidenkreisen ist der Titel “Priester” ja weit verbreitet. Gern auch kombiniert mit vorstehendem “Hohe”. Da ist ja jeder, der einmal erfolgreich eine Glühbirne gewechselt hat gleich Hohepriester, ob dieser wahnsinnigen Energieerfahrung. Was das aber bedeutet, ist oft unklar. Das “Hohe” meint nämlich, dass man in einer Gruppe (von Priestern) den höchsten Rang hat. Wenn man allein auf weiter Flur ist, macht die Bezeichnung keinen Sinn.

Zum anderen ist es die hierarchische Struktur spiritueller Gruppen unter dem Deckmäntelchen des individuellen Aufstiegsprozesses.
Denn da sich ja jeder entwickeln will und alle ausschließlich an einem Strang ziehen und wir Brüder und Schwestern unter Vater Himmel und auf Mutter Erde sind, gehen wir ja sowieso so (Achtung Unwort:) “achtsam” miteinander um, dass keinem ein Leid geschieht und jeder sich frei entfalten kann. Die Realität sieht, wie eingangs erwähnt, leider oft anders aus.

Martin schlussfolgert:

Ich denke, dass ein Wir-Gefühl, das nicht auf Kosten anderer geht, eher positiv ist. Aber nur dann.

Das möchte ich unterschreiben. Aber was heisst das genau? Für mich ganz klar: Konstruktive Konsensfindung. Basisdemokratie. Eine Gemeinschaft ist für mich dann interessant und lebbar, wenn sie auf diesen Grundsätzen basierend miteinander umgeht. Wenn Entscheidungen durch unmittelbare Beteiligung aller getroffen werden, wenn jeder eine Stimme hat und nutzt, wenn jeder repräsentieren darf, wenn das Individuelle tatsächlich bereichert und entwickelt wird, wenn wirkliche Wertschätzung stattfindet, wenn Multispiritualität gelebt wird. Das ist für mich ein zukunftstragendes Modell.



Kommentare
 
geschrieben am 13. Juli 2010

Na dann schaun wer doch mal, was Deine Eindrücke Anfang August so sind… ;-)

 
geschrieben am 14. Juli 2010

Liebe Wurzelfrau,
ich pflichte Dir bei! Bei mir nahm auch alles in einer mehr oder weniger lockeren Gruppe seinen Anfang. Inzwischen bin ich voöllig freimagisch und gruppenlos und sehr zufrieden damit. Ich habe seit jeher Pilgertum und Guruismus abgelehnt – letztlich findet jeder seine gültige Weisheit nur in sich selbst.
Sternenfrau

 
geschrieben am 17. Juli 2010

[...] einerseits durch Wurzelfraus Artikel über spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über [...]



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