wurzelfrau
Wie ist das mit den Engeln?
13. November 2011 | 8 Kommentare »

“Wie ist das eigentlich mit Dir und den Engeln?”
Habe ich euch auf Facebook gefragt. Eure Antworten waren doch sehr eindeutig und ich habe mich in vielen wiedergefunden. Das ging von “Ich hab noch keinen gesehen” über “Ich kann mit diesem Licht & Liebe- Zeug nix anfangen” hinzu “Ist ein netter Song von Rammstein”.

Nur wenige haben einen echten Zugang zu Engeln geschildert. Und ich muss sagen, ich hab da auch einen sehr eigenen. Ich bin lange Zeit kuriert gewesen vom esoterischen Umgang mit dem Thema. Ich kann auch mit heiteren, pastellfarbenen Flügelchen schwingenden Engeln nichts anfangen. Gar nichts. Und das liegt daran, dass ich eine sehr andere Wahrnehmung von Engeln habe. Und an den Krisen meiner Biografie.

Ich glaube an Engel. oder besser gesagt: ich kann eine Energieform wahrnehmen, die als Engel bezeichnet werden könnte. Ich glaube aber, dass Engel ganz anders sind, als viele Menschen sie gern sehen wollen. Kennt ihr den Film “Constantine”? Ich finde die Darstellung von Gabriel grandios, wenn auch sehr vermenschlicht. Aber da kommt ein bisschen was von dem durch, was ich meine. Engel sind Wesen, deren Kraft und Energie unser Vorstellungsvermögen sprengt. Ich glaube, dass Engel nicht so einfach als “gut” einzustufen sind. In dem Sinne, dass unsere Maßstäbe da einfach kläglich (!) scheitern würden. Ich glaube, die wirklich wahre Anwesenheit eines Engels könnte ein Mensch garnicht ertragen. Diese Wahrhaftigkeit. Und ich glaube, das letzte, was uns danach zu sagen einfiele, wäre “es war so Pastell”.

Luzifer ist auch ein Engel. Punkt. Zerstörerische Kräfte sind nicht per se negativ. Zerstörung und Auflösung machen aber vielen Menschen Angst, weil das immer mit Loslassen, Verlust usw. verbunden ist. Wir haben (noch) nicht gelernt, diese Kräfte zu schätzen. Wie könnten wir Engel und ihre Kraft also wirklich sehen? Wir sehen noch nicht den Wert der Krise. Diese ist oftmals aber vergleichbar mit einer Einweihungserfahrung. Wir werden in tausend Teile zersprengt und dann müssen wir uns aus eigener Kraft wieder zusammensetzen. Oftmals ganz anders. Ganz neu. Das ist Lebenschance. Kinder machen das immerzu durch. Körper ergreifen=Sicherheit- Schulreife /Zahnwechsel= zerrüttet werden- sich neu ordnen=Sicherheit, dann irgendwann Rubikon, Pubertät, es geht immer so weiter. Aufwachsen ist ein Prozess der Einweihung. Zersprengen und Zusammenfügen. Im größeren Stil. Was ist der Unterschied zu diesem kindlichen/ jugendlichen und dem erwachsenen Einweihungsweg?

Der Fixpunkt, das Weltvertrauen und das Erkennen der eigenen Vollkommenheit.

Kinder kommen auf die Welt mit einem natürlichen Vertauensvorschuss. Die kleine Welt im Außen, die Eltern sind Fixpunkt, weil sich im Wesensgliedergefüge alles bewegt. Im Laufe des Aufwachsens wächst das Wahrnehmen der Welt enorm und dieser Fixpunkt wandert. Spätestens in der Pubertät stellen wir die Eltern als solchen in Frage. Aber wo wandert der Fixpunkt hin? Die Wesensglieder sind in Bewegung, die Welt ist in Bewegung, wo finden wir halt. Nur im ICH BIN, behaupte ich.

Lebensfähigkeit ist ein bisschen wie Meditation. Man muss die Dinge durchfließen lassen können, ohne krampfhaft festzuhalten. Ohne Angst. Im Vertrauen, das Wesentliche daraus ziehen zu können. Und zwar dadurch, dass man vollkommen ist. Man muss erwachen in seine eigene Vollkommenheit.

Zurück zu den Engeln. Wenn Krise Chance und Einweihungsweisheit wird, dann haben wir die Chance Engel zu sehen. Um uns. Nicht Pastell, sondern eher in den Farben der alten Götter. Als Energieform, die uns lehren kann. Ja, auch leeren kann ;-)

Deshalb ist heute mein Engeltag. Es gibt viel zu lernen. Und es gilt zu erkennen, dass WIR unser Bild von Engeln definieren. Oder auch nicht.

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Samhain
1. November 2011 | 2 Kommentare »

Es ist Samhain. Ahnenzeit. Und der Nebel zieht durchs Tal. In seine benetzenden Arme gebe ich mich, durchwandere ihn und hänge meinen aufziehenden Erinnerungen nach. Immer mal wieder taucht eine aus dem Nebel auf und kehrt auch irgendwann wieder dorthin zurück. Manche halte ich einen Augenblick fest, um sie zu betrachten.

Muddi and Me Muddi and Me
Meine Mutter und ich. April 2010 / August 2011. Mir die Nächste und Liebste. Und ich glaube, es hat einen tiefen Sinn, dass wir gemeinsam hier sind. Ich bin dankbar dafür. Jeden Tag.

Meine Urgroßmutter. Ich bin ihr hier unten nicht begegnet und doch hat sie meinen spirituellen Weg entscheidend geprägt. Sie besprach Warzen im dunklen Keller. Bei besonderem Mondstand. Und sie heilten. So die Anekdoten. Ihr Bild ziert meine Ahninnenlaterne. Ich lade sie ein, heute um mich zu sein. Ich habe einen meiner Namen von ihr. Sie hieß Theresia. Ich Teresa. Unter anderem.

Meine Großtante. Die ihren Mann im Krieg verloren hatte. Immer da, immer umsorgend. Immer auch ein wenig adrett. Um ihren Platz ringend. Sie wäre eine gute Mutter geworden, war es dennoch. Eine Art Mutter für meine Mutter, deren eigene eher eine Schwester war. Später dann. Bei ihrem Tod hat sie meine Kette getragen. Eine weiße Taube. So war sie auch irgendwie.

Tante Marie. Bei der die Betonung auf dem “a” liegt, nicht auf dem “ie”. Immer so eine gute Seele. Ich vermisse sie sehr. Und es tut mir noch heute weh, dass sie einsam starb. Wenn auch im Reinen, so denke ich. Sie machte wunderbaren Kuchen. Und sie liebte Häkeldeckchen. offenbar. Und sie war bescheiden. In einer Art und Weise, wie ich mir erleuchtete vorstelle. Und hatte einen feinen schelmischen Humor.

Meine Großmutter. Die mich immer nach dem Kindergarten hütete. Oft wurden wir von der Mutter meiner besten Freundin im Auto mit nach Hause genommen. Die wohnte nur drei Häuser weiter unten am Berg. Wir Mädels hoben uns immer etwas zu Essen für diese historische Heimfahrt auf. Um “Rabatz” zu machen. Diabetikern war meine Großmutter. Wenn ich zum Mittagsschlaf in ihr großes Bett ging, schlich ich immer auf Mausesohlen zu ihrer Handtasche und futterte ihren Traubenzucker dann gemütlich im Bett. Sie hat nie etwas dazu gesagt. Und es fand sich immer welcher. Als Kind schien es mir, als versiege dieser Quell nie. Auf wundersame Weise.

Mabel. Meine Freundin. Ein bisschen eine zweite Mama für mich, in der kurzen Zeit, die wir uns begegnen durften. Sie starb zu früh. Gefasst und getragen. Eine großartige, weise und starke Frau. Die Frauen liebte. In einer Selbstverständlichkeit, die mir Vorbild war. Ihr Schlafzimmer war “very British”. Die Rosentapete werde ich nie vergessen. Und das Bett ein Traum in Metall. Weiß- versteht sich. Ich liebte ihre Bücherwände. Und sie für die ganze unbefangene und herzvolle Art, mit der sie mich mittrug. Obwohl ihre Krankheit, die sie nie zum Thema machte, eigentlich jemanden bedurft hätte, der sie trägt. Ihr Abschiedsritual war wunderbar.

Mein Großvater. Der mich trug. Mit seiner ganzen Art. Seine große Liebe sei ich, sagte er. Und dann kämen seine Frau und seine Kinder. Es gibt ein schönes Foto von uns. Ich auf seinem Arm, in meinem ersten Kleidchen vor dem grandiosen alten Rosenbusch. Die Rosen waren wirklich wunderschön. Noch lange nach seinem Tod.

Mein Vater. Der zu früh ging. Herausgerissen wurde. Ihm verdanke ich meine Liebe für wirklich scharfes Essen. Und Parmesan. Unvergessen die schelmischen Streiche, die er mit stoischer Ruhe ertrug. Fast immer. Mit bepuderten Bobby Car- Rädern quer durch die ganze mit Teppich ausgestattete Wohnung. Alle Gewürze zusammen mischen, auf dem großen Esstisch sitzend, weil das so viel praktischer war als einzeln. Und A- Team. Wusstet ihr, dass die erste Kassette, die ich bekam eine vom A- Team war? Meine Mutter schlug damals die Hände über dem Kopf zusammen. Ich war nichtmal in der Schule. Ich erinnere mich an seine Stimme. Diese wahnsinns Stimme. Tief. Voll. Wenn er mich rief, dann wackelten die Häuser. So hatte ich als Kind das Gefühl. Ich habe noch heute ein Faible für ausdrucksstarke Männerstimmen.

Großtante Martha und Rita. Mutter und Tochter. Eng verbunden in diesem Leben. Als die eine ging, folgte die andere schnell nach. Als sei die Welt ohne die andere sinnentleert. Ich erinnere mich an ihre Wohnung. Und an den herrlichen Dialekt aus Thüringen. Den ich mit meiner Mutter zum Gedenken an alle Verwandten “ausm Osten” heute noch mit qietschender Freude nachahme. Ich liebe ihn. Finde ihn sehr seelenvoll, wenn auch wortkarg. Thüringen ist wunderschön.

Renate. Meine Tante. Auch sie habe ich nie hier getroffen. Sie starb früh. So früh. Bei einem Unfall. Dennoch habe ich ihre Präsenz so stark gefühlt, sie kaum eine andere. Wenn jemand in meiner Familie heilig gesprochen wurde, dann sie. Ob ihr das gerecht wird oder sie dem, das vermag ich nicht zu sagen. Sie kämpfte auch an ihren Fronten. Stark, gewitzt und charmant.

Alle reihen sie sich ein in den Nebeltanz. Gleiten vorbei und entlocken mir ein Lächeln. Für immer sind sie in meinem Herzen und tanzen mit mir den Tanz der Ahnen.



Meine Naturspiritualität
20. August 2011 | 4 Kommentare »

“Naturspirituell sein- was bedeutet das eigentlich?” werde ich oft gefragt. Mein Verständnis von Naturspiritualität hat sich in den letzten 10 Jahren natürlich entwickelt. Ich würde darauf heute sicherlich eine andere Antwort geben als damals. Trotzdem will ich gern versuchen, meinen Begriff davon in Worte zu kleiden.

Für mich persönlich bedeutet Naturspiritualität, die Natur als etwas kraftvolles, lebendiges anzusehen, die uns alles schenkt, was lebensnotwendig ist. Ich glaube, dass die geistige Welt existiert, ich glaube an ein Leben nach dem Tod, an Reinkarnation, die göttliche Kraft in jedem einzelnen Menschen und an energetische Fähigkeiten und Kräfte. Ich glaube, dass es entscheidend ist, was wir aus unserem hier Sein machen. Naturspirituell sein bedeutet, den Jahreskreis zu feiern und mit ihm zu leben- sich zu entwickeln im Einklang. Es bedeutet sich seiner selbst bewusst zu sein und andere Lebewesen zu respektieren und zu achten. Ich denke, dass man Glauben nicht “normen” kann, in jedem Moment, in jedem Gegenstand dieser Welt sehe ich einen so großen Wert, dass sich mein Glaube vor allem in der Achtung für alles Sein äußert. Ich glaube, dass jeder Mensch einen individuellen Weg verfolgt, den nur er allein kennt und dessen Bedeutung er allein spürt. Ich glaube auch, dass jeder Mensch eine Fylgia zur Seite hat, die ihn auf dem Weg zu seinem Lebensmotiv begleitet. Götter sind Wegweiser am Pfad, Lehrer für die Einheit unserer Seele, Spiegel in die wir blicken und Wände gegen die wir laufen dürfen. Manchmal aber auch unschlagbar gute Witze- Erzähler, knallharte Bein- Steller und tiefgründige Saufkumpanen. Grad so, wie´s ein Jeder von uns braucht.

Naturspiritualität bedeutet Verantwortung. Für mich, für mein Gegenüber und für Mutter Erde. Und sie bedeutet Lachen. Über mich, mit meinem gegenüber und auf Mutter Erde ;-)



Gewonnene Zeit
17. August 2011 | 3 Kommentare »

Dieser Artikel bezieht sich auf diesen Eintrag von Niphredil, wo sie berichtet, dass wir heute viel mehr Lebenszeit haben, als die Menschen früher und ob und wie wir in der Lage sind, diese zu nutzen.

Gewonnene Lebenszeit, eine gute Frage. Spontan würde ich sagen, verbunden damit ist für mich die Frage nach der Lebensqualität. Sind wir in der Lage unser längeres Leben mit mehr qualitativen Dingen zu füllen, haben wir mehr erlebt, mehr Erkenntnisse gewonnen- sind wir weiser als unsere Ahnen?

Ich würde Imhof widersprechen wollen. Ich glaube nicht, dass es zeitgemäß ist, sich erst dann zu finden, wenn man in Rente geht. Selbstfindung ist- zumindest heute, so hab ich den Eindruck- ein nie enden wollender Prozess. In der Anthroposophie gibts da einen recht guten Ansatz, was die Phasen der Biographie betrifft. Da sagt man, dass man die erste Hälfte des Lebens altes verarbeitet, auch aus letzten Inkarnationen, dass man da die Startbedingungen, die man hatte austariert, sich mit seiner Familiensituation in Einklang bringt usw. Dann ist sozusagen erstmal eine Zäsur an der Reihe. Man fragt sich aktiv nach dem Ziel der eigenen Reise. “Ich habe mich mit all meinem Sein eingelebt, wohin will ich damit jetzt gehen?” Nicht mehr: “Was oder wer hat mich zu dem gemacht was ich bin?”, sondern: “Wer will ich sein/oder werden, aus meiner eigenen Kraft heraus?”

Das finde ich sehr stimmig. Zumindest trifft es auf meine Biografie zu. Weg von angelesenem Glauben, hin zu aktiv gelebter, individualisierter Spiritualität- zur Geschichtenerzählerin und Künstlerin. Mal sehen, wohin das führt und ob die gewonnene Zeit mich am Ende ein bisschen weise macht. Vermutlich wird man es hier lesen können ;-)

Was macht ihr mit eurer gewonnenen Zeit?



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