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17. Januar 2011 | 2 Kommentare »
“Selbstverständnis und Selbstverständlichkeit” sollte die Unterschrift dieses Artikels wohl lauten. Anlässlich dieses Artikels von Alan Posener, der mir unlängst über Martin zuflog, ist mir mal wieder aufgefallen wie viele Pädagogen, Eltern und wohl auch andere Menschen sich darüber Gedanken machen, ob Bildungs- & Erziehungseinrichtungen eigentlich als Serviceunternehmen zu verstehen seien oder nicht. Diese Gedankengänge sind mir nicht fremd. Oft höre ich Kolleginnen klagen, dass die Eltern sich ja eigentlich nicht mehr einbringen wollen, so wie es doch eigentlich im Sinne der Waldorfpädagogik sei. Dazu muss ich sagen, die zugrundeliegende Beobachtung mache ich durchaus auch. Die Eltern bringen sich nicht mehr so ein, wie vor 10 oder 20 Jahren. Sie sind froh, wenn man ihnen die Dinge so weit wie möglich abnimmt und- salopp gesagt- vom Hals hält. Und ich muss sagen, ich mache ihnen keinen Vorwurf daraus. Der Trend geht ganz klar hin zum Serviceunternehmen Schule & Kindergarten. Die Frage ist aber immer, was machen wir daraus? Wir wollen den Gegebenheiten der Welt begegnen. Wir wollen nicht nur reagieren, sondern agieren, ja gar schöpferisch tätig werden. Wir wollen neue Räume schaffen, in denen Kindheit sein kann, was sie ist: entdeckend, staunend und herzerfüllt. Service ist Dienstleistung und wenn diese von Eltern mehr und mehr als selbstverständlich aufgefasst wird, dann müssen wir diese für uns neu greifen, anders greifen, besser greifen. Ein Kommentar von Sebastian Gronbach brachte mich ins Grübeln über diesen Begriff. “Dienstleistung” – Eigentlich leiste ich von Herzen gern einen Dienst an Kindern und der Kindheit als solcher. “Jeder Mensch ist eine Mission”, sagt Gronbach. Ich sage: “Jeder Mensch hat eine Berufung”. Meine ist die Kindheit. Und wenn der Kindergarten ein Serviceunternehmen sein muss, um ihr den Raum zuzugestehen, den sie braucht, dann sind wir das mit Freude, mit Witz und aller Kreativität, die wir haben! Schicksalsgemeinschaft findet ihre Wege. Die Fäden der Nornen sind länger, als mancher der Heutigen glaubt… In Gesellschaft, Waldorfs
7. Januar 2011 | 4 Kommentare »
Grade bin ich auf Umwegen über diesen Artikel in der Taz gestoßen: Feuerrote Fingernägel. To make a long story short: Es geht darum, wie ein kleiner dreiähriger Junge sieht, wie sich die Tante, die Fingernägel rot lackiert. Er findet das toll und lässt sich auch zwei anmalen. Er will Feuerwehrmann werden. Am Abend kommt ein echter Feuerwehrmann zu Besuch, der ihm sagt, mit roten Nägeln könne er aber kein Feuerwehrmann werden. Daraufhin muss der Lack wieder runter. Sowas ist für mich berufsbedingter Alltag und trotzdem immer wieder etwas, bei dem sich mir die Haare sträuben. Genau hier, bei genau solchen Leuten die Kindern sagen: “Na, mit deinem Transgender- Fimmel wird das aber nix” sollte man doch mal die von der Werbung so schön formulierte Frage stellen: “In welcher Gesellschaft wollen Sie leben?”. Ich vermute aber, dass mir die Antwort nicht gefallen würde und/ oder noch haarsträubender wäre als dieser lapidare “werd doch mal ein richtiger Mann”- Satz. Die Story geht dann zwar dergestalt aus, dass am nächsten Tag die Nägel wieder rot sind, aber in 90% der Fälle wird das Kind nie wieder auf eine solche Idee kommen. Schade eigentlich. Das fatale daran ist, dass Leute mit solch gut gemeinten Ratschlägen zur Geschlechterrolle eigentlich nie wissen, was da pädagogisch grad geschieht. Das Kind lebt bis zu einem Alter von ca. 5 Jahren (jaja, individuelle Abweichungen immer möglich) in keiner geschlechterspezifischen Realität. Es lebt sich in alle Rollen ein, es kombiniert alles miteinander. Der 4 Jährige Junge ist beim spielen, die Mutter, will lackierte Fingernägel, Glitzerschmuck und alles, was eben möglich ist. Erst nach diesem Alter entwickelt sich eine Wahrnehmung für Geschlecht und die eigene Zugehörigkeit zu einem solchen. Und würden wir nicht Kinder immer auf das einspuren, was wir uns als beengende Realität geschaffen haben, wenn doch alle kleinen Jungs in Kleidchen rumrennen dürften, wenn doch alle Mädchen die Autosammlung im Kinderzimmer hätten und wenn alle Kinder einfach SEIN dürften, tja, in welcher Gesellschaft könnten wir dann wohl leben?… 13. Juli 2010 | 3 Kommentare »
Anhand von Martins Artikel, der eigentlich ein ganz anderes Thema behandelt, habe ich mir noch mal einige Gedanken zu meiner vorhandenen Abneigung gegen spirituelle Gruppen gemacht. Martin schreibt:
Das geht mir ganz ähnlich und zwar am deutlichsten bei spirituellen Gruppen. Als ich angefangen habe, mich mit der Naturspiritualität auseinanderzusetzen, führte mich mein Weg vor gut 10 Jahren in eine solche Gruppe. Die Vorteile lagen klar auf der Hand: Ich war neu in der Richtung, vor mir tat sich ein unerschöpfliches Feld von Möglichkeiten auf, zusammen lernen fand ich toll, Austausch ebenso und die Leute wirkten charismatisch. Die Sache war also beschlossen und lief auch gut an. Ich setzte mich ein, gestaltete aktiv mit, übernahm Verantwortung, arbeitete die Themen durch, tauschte mich aus, brachte meine Meinung ein und- rannte gnadenlos gegen die Wand. Der Punkt war nämlich, dass das Mitarbeiten natürlich willkommen und gewünscht war, die Fäden aus der Hand geben, sich als (gleichwertiges) Teil eines Ganzen sehen, demnach (nur) einer unter vielen sein, aber eine ganz andere Sache. Wozu hat man denn hier eine Hohepriesterin?! Und da sind wir schon an zwei entscheidenden Punkten, die nach wie vor Unsitte sind. Zum einen sind das die Titel. Für mich ganz persönlich sind die Zeiten der Priester vorbei. Vor allem die jener, die gerne den Titel, aber nicht die Verantwortung haben möchten. Klar kann es sein, dass jemand auf einem Gebiet sehr bewandert ist, ob das aber für mich persönlich tauglich ist, ist zumindest in spiritueller Hinsicht sehr subjektiv gelagert und hat auch immer mit der Persönlichkeit des Menschen zu tun, der die besondere Fähigkeit oder Kenntnis hat. Grade in Heidenkreisen ist der Titel “Priester” ja weit verbreitet. Gern auch kombiniert mit vorstehendem “Hohe”. Da ist ja jeder, der einmal erfolgreich eine Glühbirne gewechselt hat gleich Hohepriester, ob dieser wahnsinnigen Energieerfahrung. Was das aber bedeutet, ist oft unklar. Das “Hohe” meint nämlich, dass man in einer Gruppe (von Priestern) den höchsten Rang hat. Wenn man allein auf weiter Flur ist, macht die Bezeichnung keinen Sinn. Zum anderen ist es die hierarchische Struktur spiritueller Gruppen unter dem Deckmäntelchen des individuellen Aufstiegsprozesses. Martin schlussfolgert:
Das möchte ich unterschreiben. Aber was heisst das genau? Für mich ganz klar: Konstruktive Konsensfindung. Basisdemokratie. Eine Gemeinschaft ist für mich dann interessant und lebbar, wenn sie auf diesen Grundsätzen basierend miteinander umgeht. Wenn Entscheidungen durch unmittelbare Beteiligung aller getroffen werden, wenn jeder eine Stimme hat und nutzt, wenn jeder repräsentieren darf, wenn das Individuelle tatsächlich bereichert und entwickelt wird, wenn wirkliche Wertschätzung stattfindet, wenn Multispiritualität gelebt wird. Das ist für mich ein zukunftstragendes Modell. 3. Juli 2010 | 0 Kommentare »
Grade habe ich meine Blogrunde gedreht und dabei bin ich an gedanklich bei Martin und Jens und ihren Gedanken zu Wulff und der Zukunftsentwicklung hängen geblieben. Ohne jetzt die Inhalte genauer zu thematisieren, habe ich mich schon länger gefragt, was mir bei der Betrachtung aktueller Geschehnisse so sauer aufstösst. Es ist diese eiernde (Meinungs-) Vermeidungspolitik, dieses schleichende Mittelmaß, dieses für alle Seiten gefällig sein wollen, was mich so nachdenklich, nein ärgerlich macht. Und das kann man ja auf allen Ebenen feststellen. Es geht schon lange nicht mehr darum wirklich etwas zu bewegen. Nein, es geht darum, möglichst ohne Fehler zu machen und irgendwo anzuecken durchs Leben zu gehen. Leider fällt dabei eines auf: Diese Taktik verhindert es, wirklich gut, ja herausragend zu sein. Denn dann müsste man sich bestimmte Fettnäpfe und Fehlgriffe zugestehen, aber danach beurteilt ja heute keiner mehr. Fehler sind viel maßgeblicher als Erfolge und deswegen kommt es auch kaum noch zu nennenswerten. Auseinandersetzung ist out, Differenzierung ist out, Konsequenz ist out, Prioritäten sind out. Authentizität ist out! Da wird nicht konsequent geguckt, dass der Wulff für dieses Amt, meiner Meinung nach, völlig ungeeignet ist, weil er mit recht zwielichtigen Gruppierungen klüngelt. Nein, da wird ihm nahegelegt, sich zu distanzieren. Vermeidungspolitik. Den Schluss zu ziehen, dass der Mann wegen seiner offensichtlichen Gesinnung ein absoluter Fehlgriff ist und zu dieser Ansicht zu stehen, geschieht nicht. Das macht mich viel nachdenklicher, als dass ihn irgendwer aus Überzeugung wählt. |
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